Innovativster Unternehmer International 2016

Innovativster Unternehmer International 2016

Der Preis wurde 2016 an Prof. Dr. Utz Claassen verliehen.

Innovativster Unternehmer International

Prof. Dr. Utz Claassen

Utz Claassen machte sich als Manager von Großunternehmen einen Namen. Heute ist er Investor, Wissenschaftler, Start-up-Gründer – und mehr denn je Innovator.

Innovation benötigt Kreativität. Um disruptive Innovationen zu schaffen, braucht es Querdenker, die bestehende Gesetze überwinden. Leute, die Regeln brechen. An Querdenkern, an kreativen Köpfen mit großen Ideen mangelt es in Deutschland nicht – und doch haben es gerade technologische Start-ups hierzulande noch immer schwer. "Es mangelt an Risikokapital, es gibt große administrative Hürden – vor allem aber ist es die risikoaverse Kultur, die es den jungen Unternehmen schwermacht", sagt Utz Claassen. In großen Konzernen können Innovationsprozesse scheitern, ohne gleich existentielle Ängste bei allen Beteiligten auszulösen. Bei kleinen Unternehmen ist das anders. "Mit einem Start-up kann man sich nur auf die Reise machen, wenn man bereit ist, auch zu scheitern." Genau darin, im Risiko, aber eben auch im Innovationswillen liegt für Claassen der Reiz in der Arbeit mit jungen Unternehmen. "Und für diese Projekte werde ich noch härter kämpfen als zuvor."

Im vergangenen Jahr gründete Utz Claassen zusammen mit fünf Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft die Beteiligungsgesellschaft Rulebreaker Management. Doch nicht Gesetze oder rechtliche Normen sollen hier gebrochen werden. "Es geht darum, aus bestehenden Mustern auszubrechen und ausgetretene Pfade zu verlassen", erklärt Claassen. Das Ziel: disruptiven Geschäftsmodellen durch Beratung und Förderung zum Erfolg zu verhelfen. Claassen und seine Mitgründer fungieren dabei als Berater und Investoren und erhalten als Gegenleistung einen kleinen Gesellschafteranteil an den betreffenden Unternehmen. Der 52-Jährige sieht sich in dieser Rolle weniger als Business-Angel, sondern vielmehr als Innovationstreiber. Denn was Innovation neben Kreativität vor allem benötigt, ist Struktur.

Seinen Sinn für Struktur konnte Claassen bereits in der Vergangenheit in großen Unternehmen unter Beweis stellen. 1994 bis 1997 war er Finanzvorstand des Automobilherstellers Seat in Barcelona. Nach eigenen Angaben kehrte das Unternehmen in dieser Zeit innerhalb von drei Jahren wieder zurück in die Gewinnzone – durch erhebliche Kostensenkungen, aber auch durch die Professionalisierung von Strukturen. In der Zeit von 1997 bis 2003 war Utz Claassen Vorstandsvorsitzender des Pharma- und Laborzulieferers Sartorius. Hier sorgte er laut seines Lebenslaufs für eine strategische und strukturelle Neuausrichtung des Konzernverbunds auf wichtige Zukunftsmärkte der Mechatronik, Biotechnologie und Umwelttechnik. Für die Analysewaage "Genius" nahm Claassen 2001 stellvertretend für Sartorius zum ersten Mal den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft in der Kategorie "Mittelständische Unternehmen" entgegen. Von 2003 bis 2007 war Claassen Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns EnBW Energie Baden-Württemberg. Unter seiner Führung verzeichnete der Konzern, laut seiner Vita, nach einem Milliardenverlust innerhalb von zwei Jahren wieder einen Milliardengewinn.

Heute widmet sich die Arbeit des gebürtigen Niedersachsen den jungen Unternehmen. 2008 gründete er Syntellix, ein Start-up der Medizintechnik, in Hannover. Zu Beginn der Unternehmensgründung stand die Idee, einen Werkstoff zur Marktreife zu bringen, der den Patienten bei Operationen eingesetzt werden und sich anschließend im Körper vollständig auflösen könnte. Claassen war von der Idee überzeugt – und investierte. "Meine Aufgabe war nicht die Erfindung", erklärt er. "Mein Beitrag besteht darin, zu treiben und zu planen, zu vernetzen und zu hinterfragen."

Medizintechnik, das ist nicht Claassens Fachgebiet, darum geht es ihm auch nicht. "Ich weiß, wie man Innovationsprozesse organisiert und orchestriert." Und darauf kam es an. Im Jahr 2013 erhielt Syntellix in der Kategorie "Start-up-Unternehmen" den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. Inzwischen ist das Start-up aus Hannover Weltmarktführer im Bereich der metallischen bioabsorbierbaren Implantate. Magnezix, so der Name des innovativen Werkstoffs von Syntellix, bezeichnet Claassen heute als die spannendste Innovation seiner Karriere.

Für Innovation benötigt es Kreativität – selbstverständlich. Aber: "Für den Innovationsprozess ist es wichtig, diese Kreativität auch organisieren zu können."